Wie eine Erbengemeinschaft ihre Immobilie in Köln-Sülz in 14 Wochen verkaufte: Eine Fallstudie - Goost Immobilien

Wie eine Erbengemeinschaft ihre Immobilie in Köln-Sülz in 14 Wochen verkaufte: Eine Fallstudie

In meiner Arbeit als Immobilienmakler in Köln betreue ich kaum eine Konstellation so häufig wie die Erbengemeinschaft. Drei Geschwister, ein gemeinsames Haus, drei verschiedene Lebenssituationen — und die Immobilie der Eltern in einem nachgefragten Veedel wie Sülz. Die folgende Fallstudie beschreibt einen typischen Fall aus 2025: eine Reihenhausimmobilie aus dem Jahr 1962 in Sülz, drei erbende Geschwister zwischen Köln, München und Hamburg, ein Verkauf in 14 Wochen vom Erstgespräch bis zum Notartermin.

Was diesen Fall lehrreich macht, ist nicht der Verkaufspreis. Lehrreich ist, wie eine Erbengemeinschaft, die zu Beginn unterschiedliche Vorstellungen hatte, in einem nachgefragten Kölner Veedel ohne Streit, ohne Auseinandersetzungsversteigerung und ohne Wertverlust zu einer einheitlichen Entscheidung kam. In meiner Praxis sehe ich immer wieder, dass solche Konstellationen entweder sauber strukturiert werden oder über Jahre festfahren — und der Unterschied liegt fast immer in den ersten drei Wochen, nicht in den letzten drei. Im folgenden Bericht zeige ich Ihnen den genauen Ablauf — und was Eigentümerinnen und Eigentümer in einer ähnlichen Lage daraus mitnehmen können.

Die Ausgangslage: Drei Geschwister, ein 110-Quadratmeter-Haus in Sülz

Die Eltern hatten das Reihenhaus in Sülz Anfang der 1970er Jahre gekauft, dort vier Jahrzehnte gewohnt und es 2019 vererbt. Drei Geschwister — Mitte fünfzig, Anfang sechzig — waren nun Miteigentümer, jeweils zu einem Drittel. Die ältere Schwester lebte selbst in Köln, in einer Eigentumswohnung in Lindenthal, und fühlte eine starke emotionale Bindung an das Elternhaus. Sie hatte dort ihre Kindheit verbracht, hatte ein erstes Sondierungsgespräch mit ihrer Bank über eine Übernahme geführt und ging mit der unausgesprochenen Annahme in den ersten Termin, dass sich am Ende eine Lösung finden würde, bei der die Immobilie in der Familie bleibt.

Der mittlere Bruder lebte in München, war seit zwanzig Jahren beruflich nicht mehr regelmäßig in Köln und sah die Immobilie nüchtern als Vermögenswert, den man fair und zügig liquidiert. Er hatte sich auf eine Online-Bewertungsseite verlassen, die ihm einen Verkaufspreis von 850.000 Euro angezeigt hatte — eine Zahl, die in Sülz für ein nicht modernisiertes 60er-Jahre-Reihenhaus deutlich zu hoch ist und die in den ersten Gesprächen für reichlich Spannung sorgte. Die jüngere Schwester in Hamburg wollte schnell verkaufen, um Liquidität für ein eigenes Bauprojekt im Hamburger Umland zu schaffen, und fürchtete vor allem, dass eine lange Vermarktung sie in Verzug bringen würde.

Im Erstgespräch saßen alle drei mir gegenüber — räumlich verteilt per Videokonferenz — und keiner hatte ein konsistentes Bild davon, was die Immobilie wirklich wert sein könnte. Das Haus selbst war 110 Quadratmeter Wohnfläche auf rund 200 Quadratmetern Grundstück, in einer ruhigen Seitenstraße abseits der Berrenrather Straße. Letzte größere Modernisierung: Heizung 2008, Fenster 2014, Dach 1998 mit kleineren Nachbesserungen 2017. Energieeffizienzklasse D im Bedarfsausweis aus 2018. In meiner Praxis sehe ich genau diesen Zustand sehr oft: ein Haus, das lange gut gepflegt wurde, aber den heutigen Standard eines Neubaus nicht erreicht — und genau dieser Zustand ist 2025/26 in der Käuferverhandlung der zentrale Bewertungs-Hebel.

Die ersten zwei Wochen: Bewertung, Faktenbasis und ein gemeinsamer Tisch

Mein erster Schritt in einer Erbengemeinschaft ist immer derselbe: alle Erben an einen Tisch holen, bevor irgendjemand mit dem Verkauf beginnt. Im konkreten Fall haben wir uns in der ersten Woche zu einem Vor-Ort-Termin in Sülz getroffen — alle drei Geschwister, ich, ein hinzugezogener Steuerberater per Telefon. Ziel war nicht, einen Verkaufspreis festzulegen. Ziel war, ein gemeinsames Faktenbild zu schaffen, an dem alle drei sich orientieren können — und das die emotionale Diskussion auf eine sachliche Ebene zieht.

Wir haben an diesem Termin den Verkehrswert auf Basis der Vergleichsverkäufe in Sülz aus den vergangenen zwölf Monaten ermittelt. Bei durchschnittlichen Quadratmeterpreisen für Häuser in Sülz von rund 6.550 Euro und korrigiert um den Modernisierungsstand und die ruhige, aber etwas abseitige Mikrolage kamen wir auf eine realistische Spanne zwischen 690.000 und 740.000 Euro. Diese Spanne — nicht eine einzige Zahl — war wichtig, weil sie den Erben den Verhandlungsspielraum sichtbar machte und keine falsche Präzision suggerierte. Ich habe bewusst auch erklärt, warum die Online-Bewertung des Bruders bei 850.000 Euro lag: die meisten dieser Algorithmen kennen den konkreten Modernisierungsstand nicht und nehmen für Sülz einen Mittelwert an, der für saniertes Bestand stimmt, für ein nicht modernisiertes 60er-Jahre-Haus aber deutlich zu hoch ausfällt.

Im selben Termin haben wir auch die steuerliche Situation geklärt. Da die Eltern das Haus deutlich länger als zehn Jahre gehalten hatten und die Erben es ohne Vermietung weiterveräußern, fiel keine Spekulationssteuer an — dazu im Detail im Beitrag zur Spekulationsfrist. Die Erbschaftsteuer war im Rahmen der gesetzlichen Freibeträge bereits 2019 abgerechnet worden. Diese Klarheit hat die emotionale Spannung im Geschwister-Trio deutlich gesenkt, weil keiner mehr fürchten musste, dass ein Verkauf zusätzliche steuerliche Lasten auslöst.

Die Hürde: Wer übernimmt — oder verkaufen alle gemeinsam?

In Woche drei kam die kritische Frage. Die ältere Schwester in Köln hatte den Wunsch geäußert, die Immobilie zu übernehmen und die beiden Geschwister auszuzahlen. Der Bruder in München war einverstanden, die Schwester in Hamburg ebenfalls — beide vor allem deshalb, weil eine Lösung innerhalb der Familie als emotional und administrativ sauberer empfunden wurde als ein Verkauf am freien Markt. Ich rate in solchen Konstellationen immer zu einem realistischen Selbsttest: Welche Finanzierung wäre nötig, welche Tilgung, welche Reserve für die anstehende Sanierungsverpflichtung?

Nach zwei Wochen Prüfung mit einem unabhängigen Finanzierungsberater wurde klar, dass die Auszahlung an die beiden anderen Geschwister von rund 460.000 Euro plus die nötige energetische Sanierung in den kommenden zehn Jahren — geschätzte 80.000 bis 120.000 Euro für Heizung, Dämmung und Fenster — die finanziellen Möglichkeiten der Schwester überstieg. Der Berater hatte ehrlich durchgerechnet: Bei der bestehenden Wohnungslast in Lindenthal und einem realistischen Eigenkapital-Anteil hätte die monatliche Gesamtbelastung zu einem nicht tragbaren Verhältnis von Einkommen zu Tilgung geführt — vor allem in einer Phase, in der die Bank für Immobilien-Bestand mit Energieeffizienzklasse D einen sichtbaren Risiko-Aufschlag verlangt.

Das Gespräch in Woche fünf war ehrlich und schmerzhaft. Wir haben uns auf den gemeinsamen Verkauf am freien Markt geeinigt — und die ältere Schwester hatte die Option behalten, vor dem Vermarktungsstart noch ein Angebot abzugeben, falls sich ihre Finanzierung doch noch fügt. Tat sie nicht; ein Lebensgefühl-Verlust, aber wirtschaftlich die richtige Entscheidung. In meiner Beratung erlebe ich solche Momente regelmäßig — und sie sind der wichtigste Punkt, an dem ein Makler nicht als Verkäufer agiert, sondern als nüchterner Sparring-Partner.

Vorbereitung und Vermarktung: Woche vier bis acht

Die nächsten vier Wochen waren reine Vorbereitung. Wir haben die vollständigen Verkaufsunterlagen zusammengestellt — Grundbuchauszug, Flurkarte, Wohnflächen­berechnung, neuer Bedarfsausweis (der alte aus 2018 war abgelaufen), lückenlose Modernisierungs­nachweise und einen aktuellen Bodenrichtwert-Auszug aus dem öffentlichen BORIS-NRW-Portal. Bei einem Reihenhaus in Sülz fragen Käuferinnen und Käufer in fast jeder Besichtigung nach all diesen Punkten — fehlt etwas, geht der Vermarktungs-prozess später länger und teurer aus.

Der neue Bedarfsausweis hat das Haus mit Energieeffizienzklasse D bestätigt, mit konkreten Empfehlungen für die nächsten zehn Jahre: Heizungstausch zu einer Wärmepumpe, Fassadendämmung, Austausch der noch nicht erneuerten Fenster. Ich rate Eigentümern in Erbensituationen immer, den energetischen Zustand offen zu kommunizieren statt zu beschönigen. In meiner Praxis erlebe ich, dass Käufer mit einem ehrlichen Aufwertungs-Plan deutlich bereitwilliger zahlen als mit einem geschönten Zustandsbild, das beim ersten Hausgutachter platzt — und in einer Erbensituation ist diese Ehrlichkeit doppelt wichtig, weil eine geplatzte Verhandlung die emotionale Stabilität der Erben kostet.

Parallel haben wir das Exposé erstellt — professionelle Bilder mit einem kölner Fotografen, ein präzises Wertgutachten als Anhang, ein klarer Modernisierungs-Fahrplan für die kommenden Jahre, eine ehrliche Beschreibung der Mikrolage inklusive der Vorteile (Beethovenpark fünf Gehminuten, KVB-Linie 9 zwei Straßen weiter) und der Schwächen (Schienenlärm in den Abendstunden, Parksituation eng). Die Vermarktung selbst lief klassisch: zwei Tage off-market im Maklernetzwerk, dann öffentlich auf den drei größten Kölner Portalen mit klarem Erstpreis von 695.000 Euro — also am unteren Ende der ermittelten Spanne, mit dem Ziel, eine ernsthafte Bieter-Konkurrenz zu erzeugen.

Anfragen, Besichtigungen, Bonitätsprüfung: Woche neun bis elf

Innerhalb von zehn Tagen kamen 47 ernsthafte Anfragen. In meiner Praxis ist das für ein Reihenhaus in Sülz eine typische Größenordnung, wenn die Vermarktung sauber aufgesetzt ist und der Erstpreis realistisch wirkt. Wir haben sie in zwei Stufen gefiltert. Im ersten Schritt eine schriftliche Vorqualifizierung — Eigenkapital-Anteil, Finanzierungsstand, geplanter Notartermin, Begründung des Interesses. Aus 47 Anfragen blieben 22, die wir zur ersten Besichtigung eingeladen haben.

Bei der Besichtigung selbst — wir haben sie in zwei Block-Besichtigungen organisiert, je sechs bis acht Familien an einem Wochenend-Vormittag, was den Zeitaufwand für die Erben deutlich reduziert hat — kristallisierten sich vier ernsthafte Bieter heraus. Vor der zweiten Besichtigung haben wir jeden gebeten, eine Finanzierungsbestätigung der Bank vorzulegen, nicht nur eine unverbindliche Vorprüfung. Wie ich konkret bei der Prüfung der Bonität von Kaufinteressenten vorgehe, habe ich an anderer Stelle ausführlich beschrieben — gerade in Erbsituationen ist dieser Schritt entscheidend, weil eine geplatzte Finanzierung einen Vermarktungsabbruch von acht bis zwölf Wochen bedeutet, den niemand in der Erbengemeinschaft will.

Bei den vier ernsthaften Bietern haben wir parallel ein Bietverfahren mit klarer Frist organisiert — keine Versteigerung, sondern eine strukturierte Aufforderung zur Abgabe eines verbindlichen Angebots binnen einer Woche, mit einer Frist für die Finanzierungs-Unterlagen direkt am ersten Werktag danach. Diese Struktur hat sich bewährt, weil sie alle Bieter unter denselben Druck setzt, ohne die emotionale Last einer offenen Versteigerung. Drei Bieter haben fristgerecht abgegeben, der vierte zog sein Interesse zurück, weil seine Bank die Finanzierung an Bedingungen geknüpft hatte, die er innerhalb einer Woche nicht klären konnte.

Das Ergebnis: 718.000 Euro nach 14 Wochen

In Woche zwölf hatten wir drei verbindliche Angebote zwischen 695.000 und 718.000 Euro. Die Erbengemeinschaft entschied sich gemeinsam für die Familie aus Köln-Klettenberg, die mit 718.000 Euro das höchste Gebot abgegeben hatte und finanzierungstechnisch am saubersten aufgestellt war — Eigenkapital-Anteil von rund 30 Prozent, verbindliche Finanzierungszusage einer Sparkasse, klarer Wunsch zum Bezug binnen drei Monaten. Notartermin in Woche 14, Schlüsselübergabe vier Wochen später nach geordneter Räumung des Hauses durch ein beauftragtes Räumungsunternehmen.

Die drei Geschwister haben den Erlös nach Abzug der Maklerkosten und Notargebühren zu gleichen Teilen aufgeteilt — jeweils rund 220.000 Euro pro Erbe. Wichtiger als die Zahl ist für mich rückblickend, dass die Geschwister nach dem Verkauf weiter miteinander reden — etwas, das in Erbengemeinschaften ohne externe Moderation oft nicht selbstverständlich ist. Die ältere Schwester hat mich später in einem persönlichen Schreiben wissen lassen, dass die zweite Woche — der Termin mit dem Steuerberater, der die Spannung aus den steuerlichen Annahmen herausnahm — der Punkt war, an dem aus drei Einzelstimmen ein Trio wurde, das eine gemeinsame Entscheidung tragen konnte.

Was Eigentümerinnen und Eigentümer in einer ähnlichen Lage daraus mitnehmen können

Vier Erkenntnisse aus diesem Fall, die auch in anderen Erbengemeinschaften in Köln greifen. Erstens: Den Verkehrswert nicht aus Online-Tools ableiten, sondern aus echten Vergleichsverkäufen im konkreten Veedel — das schafft die gemeinsame Faktenbasis, an der sich alle Erben orientieren können. Online-Bewertungen liegen bei nicht modernisierten Bestandsobjekten regelmäßig 10 bis 15 Prozent zu hoch, weil der Algorithmus den Modernisierungsstand nicht sauber abbildet. In einer Erbengemeinschaft kann dieser Fehler zu wochen­langen Streits führen.

Zweitens: Steuern früh klären, bevor emotionale Diskussionen über Übernahme oder Verkauf entstehen. Ein Steuerberater im zweiten Termin ist eine Investition von wenigen hundert Euro, die in einer Erbengemeinschaft regelmäßig zwei bis vier Wochen Diskussionszeit spart und die Verhandlungs-Atmosphäre stabilisiert. Wer hier spart, zahlt später mit emotionalem Aufwand.

Drittens: Wenn ein Erbe übernehmen möchte, vor der Entscheidung einen unabhängigen Finanzierungs-Realitätstest machen — keine Wunschrechnung, sondern ein ehrliches Bild der Belastung. Ich rate in solchen Situationen immer zu einem unabhängigen Berater, nicht zur Hausbank des Erben, weil die Hausbank Interesse an der Geschäftsverbindung hat und die Belastung manchmal zu optimistisch zeichnet.

Viertens: Die Vermarktung nicht zu früh starten. Erst nach Klärung der Übernahme-Frage, mit vollständigen Unterlagen und einem aktuellen Bedarfsausweis. Ein vorzeitig gestarteter Verkauf in einer Erbengemeinschaft, in der die emotionale Frage nicht geklärt ist, läuft regelmäßig in der zweiten Phase auf Grund — und der Wert des Objekts sinkt mit der Vermarktungsdauer.

Wenn Sie in einer ähnlichen Konstellation in Köln stehen, lade ich Sie zu einem unverbindlichen Gespräch ein — gerne mit allen Erben gemeinsam vor Ort oder per Videokonferenz. Eine ehrliche Markteinschätzung ist der erste Schritt, an dem alle Erben anknüpfen können, und sie kostet Sie nichts.

Mehr zum Wohnen im Veedel selbst — Standort, Infrastruktur, Demografie und Prognose — finden Sie auf unserer Seite Das Wohnen im Veedel Sülz in Köln.

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